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Befragung zu Arbeitsbedingungen - Digitalisierung und Arbeits(zeit)organisation

"Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammenbleiben ist ein Fortschritt, zusammenarbeiten ist ein Erfolg."
Henry Ford

 

Umfrageergebnisse 

Arbeitgeber stehen zunehmend vor der Herausforderung, Digitalisierungs- und Individualisierungsprozesse in ihren Organisationen anzustoßen und auszubauen. Einhergehend mit diesen gesellschaftlichen Megatrends nimmt das Erfordernis von Arbeitsort- und Arbeitszeitflexibilität einen erhöhten Stellenwert in der strategischen Ausrichtung ein. Den Bedürfnissen der Arbeitnehmenden und des Arbeitsmarkt gerecht werdend bedarf es folglich der Anpassung der eigenen Einrichtung, um die Arbeitgeberattraktivität steigern zu können. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und Generationenwechsel erscheint dies unerlässlich.

Im Zuge der Corona-Pandemie gelang es vielen Arbeitsbereichen, digitale Arbeitsformen zu forcieren, indem mobiles Arbeiten und weitere Möglichkeiten der digitalen Zusammenarbeit ausgebaut und in den Arbeitsalltag integriert wurden. Schwieriger gestaltet sich jedoch die Umsetzung in systemrelevanten Berufen des Gesundheitswesen. Grund dafür sind einerseits unzureichende technische Möglichkeiten, andererseits und insbesondere das Erfordernis der patientennahen Tätigkeit vor Ort.

Infolgedessen wurde eine vorrangig an ärztlich und pflegerisch sowie im OP- und Funktionsdienst tätige Mitarbeitende in Engpassbereichen wie Intensiv- und IMC-Stationen deutscher Krankenhäuser gerichtete Befragung zu Arbeitsbedingungen in Gesundheitsberufen im August 2021 initiiert. Hauptanliegen war die Abfrage des aktuellen und gewünschten Digitalisierungs- und Flexibilisierungszustands der jeweiligen Arbeitsplätze und das Eruieren von Chancen, diese voranzubringen. Die Arbeitshypothese der Befragung lautete daher: Auch in Medizin und Pflege gibt es Möglichkeiten, flexibel in Bezug auf Arbeitsinhalt, -ort und -zeit mit einem höheren Grad an Selbstverantwortung arbeiten zu können. Neben den vorhandenen und erforderten technischen Voraussetzungen wurden Möglichkeiten von mobilen Tätigkeiten sowie der Übertragung von Tätigkeiten und somit Verantwortung auf Teamebene identifiziert.

Nachholbedarf wurde darin insbesondere bei den Themen Digitalisierung, Individualisierung und Beteiligung gesehen. So wurde ein abweichender Ist- und Sollzustand vor allem hinsichtlich der Mitarbeitereinbindung und dem individuellen Einfluss auf sowie die Wahrnehmung von verlässlicher Dienst- und Einsatzplanung bewertet. Fast die Hälfte der 68 Teilnehmenden aus mehr als 15 Einrichtungen betrachtete die Festlegungen von Schicht- und Mindestbesetzungen als intransparent. Damit einhergehend ist ein erhöhter Bedarf an Arbeitszeitflexibilisierung feststellbar.

Die Berücksichtigung von Ideen der Beschäftigten durch Dienstvorgesetzte wurde zudem von weniger als 30 Prozent der Teilnehmenden als zutreffend beschrieben. Hinsichtlich der Einrichtungsleitung waren es sogar nur ca. 15 Prozent, die ihre Zustimmung erteilten.

Hinsichtlich des Arbeitsinhalts und der Arbeitsorganisation wurden häufig wechselnde, unterschiedliche Arbeitsaufgaben im Ist-Zustand als gegeben beschrieben, wobei diese häufiger als gewünscht unterbrochen würden und die Möglichkeit, eine Arbeitsaufgabe von Beginn bis Ende selten gegeben sei. Auch stehen weniger notwendige Informationen, Materialien und Arbeitsmittel als gewünscht zur Verfügung, sodass hier Optimierungsbedarf zu erkennen ist.

Weniger als ein Fünftel aller Teilnehmenden bewerteten die gewünschte Nutzung der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Arbeitsortflexibilisierung in ihrem Bereich als zutreffend. Nachholbedarf wird in der Nutzung digitaler und somit ortsunabhängiger Aus-, Fort-, und Weiterbildungsmöglichkeiten gesehen.

Die technische Ausstattung erscheint ebenfalls verbesserungswürdig. So stehen nur knapp einem Drittel der Befragten mobile Endgeräte zu Dokumentationszwecken direkt am Patienten zur Verfügung. Ein technischer Rückstand ist ebenso in dem aktuellen Prozess der Dokumentation von Dienstplanabweichungen bzw. Erfassung der Inanspruchnahmen von Rufdienstleistungen ersichtlich. Weniger als 30 Prozent der Befragten erfassen ihre Arbeitszeit digital. Fast ein Drittel der Befragten gab dazu an, dass ihnen Grundsätze und Regelungen ihrer Arbeitszeitverwaltung unbekannt seien. Rund ein Drittel der Befragten empfindet die Abläufe und Arbeitszeiten der verschiedenen Berufsgruppen nicht oder eher nicht gut abgestimmt. Folglich könnte ein Anliegen darin bestehen, diese interprofessionell im Rahmen der betriebsinternen und tarifrechtlichen Regularien zu harmonisieren und anzugleichen.

Die Ergebnisse dieser Umfrage verdeutlichen den Handlungsbedarf bzgl. Digitalisierung, Individualisierung und folglich der Flexibilisierung von Arbeitsinhalt, -ort und- zeit. Neben mangelnder technischer Ausstattung, unzureichend flexibler Strukturen und Prozesse und zu geringer Mitarbeitereinbindung bedarf es nicht nur durch Generations- und Paradigmenwechsel bedingte Anpassungen vorzunehmen. Nur so gelingt es Einrichtungen des Gesundheitswesen, sich konkurrenzfähig und attraktiv auf dem Arbeitsmarkt zu präsentieren und den stetig wandelnden Erfordernissen der Arbeitswelt gerecht werden zu können.

Durch gezielte Digitalisierungsstrategien werden diverse Handlungsoptionen gesehen, um mehr Arbeits(zeit)souveränität im Sinne eines gemeinsamen Nutzens von Mitarbeitenden und Arbeitgebern zu ermöglichen.

 

Berlin, 01.12.2021 – AutorInnen: Christiane Reuter-Herkner, Dr. Ulli Schäfer, Felix Zimmermann

 

 

 

Ziel der Befragung


Die gesellschaftlichen Megatrends Digitalisierung und Individualisierung beherrschen unsere Arbeitswelt. Der Ruf nach Arbeitsort- und Arbeitszeitflexibilität wird lauter.
Konnte während der Pandemie in vielen Branchen mobiles Arbeiten und ausgebaut und umgesetzt werden, so war dies in systemrelevanten Berufen, insbesondere im Gesundheitswesen nur sehr eingeschränkt möglich. Einerseits aufgrund des Erfordernisses patientennaher Tätigkeit vor Ort, andererseits aufgrund unzureichender technischer Voraussetzungen.
Mit Blick auf die individuellen Möglichkeiten rücken Arbeitsort- und Arbeitszeitflexibilisierung auch für Medizin und Pflege in das Blickfeld.
Arbeitsbedingungen werden sehr individuell wahrgenommen und bewertet, je nachdem, welche persönlichen Hintergründe das Arbeitsleben beeinflussen, sind die Wünsche und Erwartungen der Mitarbeitenden unterschiedlich.

Zunehmend besteht die Auffassung, dass auch in Medizin und Pflege ein Mehr an Arbeitsort- und Arbeitszeitflexibilisierung möglich ist. Unsere Arbeitshypothese lautet daher: Auch in Medizin und Pflege gibt es Möglichkeiten, flexibel in Bezug auf Arbeitsinhalt, -ort und -zeit mit einem höheren Grad an Selbstverantwortung arbeiten zu können.
Mit Hilfe dieser Befragung sollen Tätigkeiten identifiziert werden, die mobil (außerhalb der Einrichtung) erbracht werden können und die hierfür erforderlichen technischen Voraussetzungen erfragt werden.
Mit Blick auf die Arbeitszeitflexibilität geht es aber auch um die Identifikation von Möglichkeiten, den Mitarbeitenden / dem Team mehr Verantwortung bei der Personaleinsatzplanung zu übertragen, um so flexibel auf betriebliche und persönliche Herausforderungen reagieren zu können.



Kontaktdaten

Sollten Sie weitere Fragen zur Befragung haben oder sollten sich Fragen oder Anregungen im Verlauf ergeben, können Sie sich jederzeit per E-Mail an Felix Zimmermann wenden.
team@indialogia.de

Christiane Reuter-Herkner (MA Management in Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens - indialogia GmbH)
Felix Zimmermann (Master in Sozialwissenschaften des Sports - indialogia GmbH)
Dr. Ulli Schäfer (Master Public Administration, Netzwerk der Arbeitszeitexpertinnen und Arbeitszeitexperten der Universitätsklinika Deutschland)